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Kinder des Widerstandes





Wer sind wir?

            Unsere Gruppe entstand auf Initiative von vier Frauen, alle vier Töchter von Widerstandskämpfern und –kämpferinnen. Das sind Alice Czyborra (Gingold), Traute Sander (Burmester), Inge Trambowsky (Kutz) und Klara Tuchscherer (Schabrod). Sie werden unterstützt von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschist/innen und weiteren Unterzeichner/innen ihres Aufrufs.
Der Name der Gruppe ist Programm: „Kinder des Widerstandes“ wollen dem antifaschistischen Kampf ein persönliches Gesicht geben, zeigen was Widerstand, Verfolgung, Inhaftierung, Folter und Terror für den einzelnen Menschen und dessen Familien bedeutete. Und zwar vor wie nach 1945.
Unsere Eltern waren empört darüber, dass Altnazis auf allen Ebenen z.B. Richter, Staatsanwälte, Minister – sogar als Staatsoberhaupt – wieder in Amt und Würden kamen. Sie waren empört darüber, dass es erneut zu einer Wiederbewaffnung kam. Viele unserer Eltern und Großeltern wurden in der Zeit des Kalten Krieges nochmals verfolgt.


Warum jetzt?
-          Weil die Nazis immer mehr und aggressiver werden- Wir müssen vor dem geschichtlichen Hintergrund verdeutlichen, was Faschismus bedeutet.
-          Weil viel Unkenntnis über den Widerstand im Faschismus besteht und die Geschichte oft verfälscht wird.
-          Weil die Zeitzeugen zumeist nicht mehr unter uns sind und wir in ihrem Sinne weitermachen wollen.

Was wollen wir?
-          Unsere Gruppe möchte der Ausgrenzung unserer Eltern und Großeltern aus der Gedenkarbeit entgegenwirken
-          Wir als Nachkommen wollen die Erfahrungen und Einschätzungen im Kampf gegen Faschismus und Neofaschismus weitergeben.
-          Viele unserer Eltern sind nach 1945 weiter diskriminiert worden. Wir setzen uns dafür ein, dass sie ihre Würde und Anerkennung zurückerhalten.
-          Wir sind gerade aufgrund der Ungerechtigkeit gegen eine Ziehung eines Schlussstriches unter die Geschichte der Nazizeit.
-          Wir suchen weiter nach Nachkommen von Widerstandskämpfern, um ihre persönlichen Geschichten zu hören, aufzuschreiben. Aber auch um weitere Mitstreiter zu bekommen.
 Die VVN-BdA setzt sich dafür ein, dass eine Wiedergutmachung für die Benachteiligten erfolgen muss. Vor allem geht es um die Rehabilitierung der Opfer des Kalten Krieges. Ende der sechziger Jahre gab es zwar ein Strafrechtsänderungsgesetz, das zahlreichen Verfolgungen ein Ende setzte, eine Rehabilitierung der Betroffenen erfolgte jedoch nicht.

Wir mischen uns ein!
Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Beschluss vom 4. November 2009 erklärt: "Angesichts des einzigartigen Unrechts und des Schreckens, die die nationalsozialistische Herrschaft über Europa und weite Teile der Welt gebracht hat", sind das Grundgesetz und die Entstehung der Bundesrepublik Deutschland "geradezu als Gegenentwurf" zum nationalsozialistischen Regime zu verstehen.“ "Das bewusste Absetzen von der Unrechtsherrschaft des Nationalsozialismus war historisch zentrales Anliegen aller an der Entstehung wie Inkraftsetzung des Grundgesetzes beteiligten Kräfte." (Aus den Leitsätzen zum Beschluss des Ersten Senats vom 04.11.2009 - 1 BvR 2150/08).

Hinterbliebene von NS-Opfern fordern ihr Recht

Die Gegnerschaft zur Naziherrschaft ist demnach Verfassungsgebot und Staatsdoktrin. Dem sehen wir uns verpflichtet.
Seit jüngster Zeit gibt es eine Reihe von Dokumentationen, die belegen,  was die VVN seit den 60er Jahren nachgewiesen hat: In der Bundesrepublik konnten Eliten der Nazizeit wieder tätig werden, Einfluss nehmen und dabei weiterhin gegen Antifaschisten vorgehen.
Gerichte verfolgten Teilnehmer des Arbeiterwiderstandes, vornehmlich des kommunistischen Widerstandes, um sie - auch unter Hinweis auf Vorstrafen aus politischen Prozessen von 1933 bis 1945 - wegen ihrer politischen Tätigkeit erneut einzusperren und ihnen die Rechte auf Entschädigung abzusprechen. Ärzte aus der NS-Zeit wurden als Gutachter eingesetzt, um die Entschädigungsrechte der oft schwer geschädigten politisch, rassisch und religiös Verfolgten in Zweifel zu ziehen.
Auch die Kinder und Enkel der Betroffenen hatten - infolge der Leiden ihrer Verwandten - mitzuleiden: Denn die Familien der Opfer litten oft materielle Not, die Kinder und Enkel, also die aus der 2. und 3. Generation, waren betroffen von psychischen Schäden und Traumatisierungen, sie waren im Bildungswesen, in Schule und Gesellschaft Diskriminierungen bis hin zu Berufsverboten ausgesetzt. Sie galten als Kinder von "Vorbestraften". Die jetzt bekannt gewordenen personellen Kontinuitäten aus der Zeit vor und nach 1945 müssen zu Konsequenzen führen. Doch die Gelegenheiten, die sich dazu bieten, werden nicht genutzt. Der Umgang des Deutschen Bundestages mit dem Antrag "Widerstand von Kommunistinnen und Kommunisten gegen das NS-Regime" (Drucksache 17/2201), eingebracht von der Fraktion DIE LINKE am 16. 6. 2010, ist ein Skandal, ja ein Schlag ins Gesicht der NS-Opfer. Ohne mündliche Aussprache, nur mit schriftlichen Wortbeiträgen, die seitens der CDU, CSU und FDP, aber auch der SPD den Geist der Restauration und des Kalten Krieges atmeten, wurde der Antrag am 11. November 2010 zu später Stunde beerdigt. Die CDU/CSU-Reaktion ist unfassbar und, ähnlich wie bei den vielen Debatten zum Kriegsverrat, sprachlich und argumentativ stark in der Nähe von rechtsextremen Organisationen.
Auch in der Erinnerungsarbeit der Gedenkstätten für Opfer des NS-Unrechts werden die Vertreter der 2. und 3. Generation oftmals abgewiesen. Man erklärt ihnen ungeschminkt: Euer Anspruch auf Mitsprache in der Gedenkarbeit ist verwirkt. Genugtuung darüber, dass Zeitzeugen sich nicht mehr einmischen können, ist unverkennbar. Doch, wir mischen uns ein.

VVN-BdA NRW

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